Wie aus einer Idee ein Ökosystem für Social Business wurde
Der Get active Social Business Award (GASBA) feiert sein 20-jähriges Bestehen: Was 2007 als „Ideen gegen Armut“ durch Initiator Coca-Cola Österreich begann, hat sich über zwei Jahrzehnte zu einer Plattform für Social Entrepreneurship in Österreich entwickelt. Beim „Best of GASBA“ wurden drei frühere GASBA-Siegerprojekte mit insgesamt 20.000 Euro Preisgeld ausgezeichnet. Bei der Jubiläumsgala an der WU Wien Mitte September blickte die GASBA-Familie auf zwei Jahrzehnte sozialer Innovation im Rahmen der Initiative zurück.
1.187 Einreichungen, 169 Finalist:innen, über 1,8 Millionen Euro an Preisgeldern und mehr als 20 geförderte Start-ups und innovative Projekte: Die Bilanz des GASBA zeigt nicht nur die Entwicklung des Awards, sondern auch, wie sehr sich Social Entrepreneurship in Österreich in den vergangenen 20 Jahren verändert hat .„Damals war Social Entrepreneurship in Österreich noch kaum ein Begriff. Für mich war von Anfang an klar, dass der Award nicht nur Preisgeld vergeben, sondern Menschen miteinander verbinden soll“, sagt Philipp Bodzenta, Public Affairs Director bei Coca-Cola Österreich und Initiator des GASBA. „Wenn ich heute auf die vergangenen 20 Jahre zurückblicke, denke ich vor allem daran, wie viele der Projekte uns bis heute begleiten. Zu sehen, wie aus ersten Ideen nachhaltige Organisationen geworden sind, ist wohl das Schönste an dieser Geschichte.“
Von „Ideen gegen Armut“ zum Social-Business-Ökosystem des GASBA
Die Idee zum Award entstand 2007 durch Philipp Bodzenta mit Unterstützung von Christian Horak, Senior Advisor Ernst & Young Parthenon Management Consulting GmbH: „Den GASBA durfte ich von seiner Geburtsstunde an bis heute in mehreren Rollen 20 Jahre lang begleiten.” so Christian Horak, „eigentlich war der GASBA selbst ein Social Start-up und Pionier. Dass sich daraus mit strategischer Überlegung und Engagement ein etablierter Wettbewerb für Sozialunternehmen in Österreich entwickelt hat, hat mehrere Gründe: die klare Mission und Positionierung, das Commitment der Kernpartner:innen und die Kontinuität bei den handelnden Personen.“ Gemeinsam mit Michael Meyer vom Nonprofit-Kompetenzzentrum der Wirtschaftsuniversität Wien, Wolfgang Bergmann von Der Standard und Peter Kranner von der Werbeagentur BEN DORO DAD wurde daraus das Konzept für „Ideen gegen Armut“. Der Anspruch ging von Beginn an über das Preisgeld hinaus: Die Teilnehmer:innen erhielten Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Ideen und Businesspläne sowie Zugang zu Expert:innen und einem Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien. Ab 2008 war das Businessplan-Coaching-Wochenende in Stegersbach zentraler Bestandteil des Programms.
Mit der Weiterentwicklung zu GASBA – dem Get active Social Business Award – wurde daraus eine Plattform, die Social Entrepreneurs über die reine Auszeichnung hinaus begleitet. Insgesamt flossen bisher 684 Stunden in Coaching und Networking in Stegersbach, mehr als 3.000 Seiten Businesspläne wurden von Jury und Advisory Board bewertet und 23 akademische Endberichte mit insgesamt rund 1.230 Seiten von der WU Wien erstellt.
Michael Meyer, Universitätsprofessor für Nonprofit Management an der WU Wien und Mitgründer des GASBA zieht Bilanz: „Die 20 GASBA-Jahre haben uns gelehrt, dass wir uns auf die Innovationskraft der Menschen unseres Landes auch dann verlassen können, wenn es um soziale Herausforderungen geht. Man muss ihnen nur ein wenig Spielraum, finanzielle Anreize, Unterstützung und Wertschätzung geben. Coca-Cola Österreich hat das ermöglicht und dabei 20 Jahre langen Atem bewiesen. Gemeinsam mit Der Standard und der WU entstand so eine starke Koalition, die wesentlich zur Etablierung und Stärkung eines Ökosystems für soziale Unternehmen beigetragen und damit dieses für soziale Innovationen nachhaltig geprägt hat.“
Das Jubiläums-Best-of-GASBA: Die Gewinner:innen
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums konnten frühere GASBA-Siegerprojekte erneut am „Best of GASBA“ teilnehmen. Über die Vergabe der Preisgelder entschied ein unabhängiges Jubiläums-Advisory-Board im Online-Voting, ihm gehörten fast ausschließlich Persönlichkeiten an, die den GASBA über viele Jahre als Mitglieder des Advisory Boards begleitet haben. Die Anerkennungspreise wurden von einer Jury aus Michael Meyer, Christian Horak, Philipp Bodzenta, Karin Bauer und Stefan Schöggl vergeben.
Beim Jubiläumsevent wurden drei Gewinner:innen ausgezeichnet:
MindEcho erhielt 12.500 Euro - der GASBA-Sieger 2025, entwickelt eine KI-gestützte App, die individuelle Lautmuster von Menschen mit eingeschränkter Lautsprache in verständliche Sprache übersetzt.
Grow Together GASBA-Sieger 2013, begleitet Familien in psychosozial extrem belastenden Lebenslagen ab der Geburt eines Kindes mit bindungsorientierter, aufsuchender Unterstützung – das Projekt wird nun mit 5.000 Euro unterstützt.
NACHBARINNEN, ebenfalls GASBA-Siegerprojekt von 2013, unterstützt isoliert lebende Frauen durch muttersprachliche Begleitung, Lernhilfe, aufsuchende Beratung und berufliche Teilhabe – die Initiator:innen erhielten 2.500 Euro.
Die Anerkennungspreise für langjähriges Engagement gingen an Verena Augustin (0·8·16 – Alles, außer gewöhnlich), Gabriele Gottwald-Nathaniel (gabarage) und Sonja Mitsche (4everyoung).
20 Jahre GASBA, 20 Jahre Wirkung in Zahlen
- 1.187 Einreichungen
- 169 Finalist:innen
- über 1,8 Mio. Euro an vergebenen Preisgeldern
- 20+ geförderte Start-ups und innovative Projekte
- 3,95 Euro gesellschaftlicher Mehrwert pro eingesetztem Euro in den analysierten Siegerprojekten
- 684 Stunden Coaching und Networking in Stegersbach
- über 3.000 Seiten Businesspläne von Jury und Advisory Board bewertet
- 23 akademische Endberichte der WU Wien mit insgesamt rund 1.230 Seiten
- 64 % der GASBA-Gewinner der vergangenen 20 Jahre sind heute noch aktiv
Wie nachhaltig einzelne GASBA-Projekte wirken können, zeigen zahlreiche Organisationen, die ihre Entwicklung mit Unterstützung des Awards begonnen oder entscheidend vorangetrieben haben. Dazu zählen unter anderem Three Coins, Grow Together, Sindbad, PATHfindr, gabarage, Die Tafel Österreich, Teach For Austria, NACHBARINNEN, Hobby Lobby, More Than One Perspective (MTOP) und das R.U.S.Z.
Bei den Siegerprojekten wurde die gesellschaftliche Wirkung auch wissenschaftlich untersucht. Die SROI-Analysen der WU Wien zeigen einen durchschnittlichen gesellschaftlichen Mehrwert von 3,95 Euro für jeden eingesetzten Euro. Heute sind rund 64 Prozent der GASBA-Gewinner:innen der vergangenen 20 Jahre noch aktiv.
Auch Projekte, die nicht gewonnen haben, konnten vom Netzwerk und der Sichtbarkeit profitieren. Die Entwicklung des Awards zeigt, wie sich die Themen sozialer Innovation in Österreich verändert haben: Während in den frühen Jahren vor allem Armut und Beschäftigung im Mittelpunkt standen, rückten später Flucht und Integration, während der Pandemie COVID und Gleichstellung sowie zuletzt Pflege, Bildung und KI stärker in den Fokus.
Bei der Jubiläums-Gala an der WU Wien blickten zahlreiche Initiator:innen, Gestalter:innen, Berater:innen und neben vielen Wegbegleiter:innen auch einige Vertreter:innen erfolgreicher GASBA-Projekte auf zwei Jahrzehnte sozialer Innovation im Rahmen der Initiative zurück. Mit dabei waren u.a. Severin Gruber, Generalsekretär im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, Wirtschaftsuniversität Wien-Rektor Rupert Sausgruber, Der Standard-Vorstand Alexander Mitteräcker General Manager Coca-Cola HBC Österreich Mirela Toljan Jakomin, Country Manager Coca-Cola Österreich Wolfgang Weixelbaumer, Ex-Teamtorhüter Helge Payer, Musiker Cesár Sampson, uvm. Durch den Abend führte die langjährige Ressortleiterin von Der Standard, Karin Bauer.